Chinesische Grenzwächter erschiessen Nonne

Chinesische Grenzwächter erschiessen 17-jährige Nonne auf der Flucht

[Ein Video (inzwischen auf Englisch) des rumänischen Bergsteigers und Fotografen Sergiu Matei stellt einen Beweis aus erster Hand dar. Es steht unter folgendem Link und führt die Behauptung der Chinesen ad absurdum, die Soldaten hätten aus Notwehr auf die Flüchtlinge geschossen, nachdem diese sie angegriffen hatten: http://youtube.com/watch?v=ssCVRhOfjtA

Vor den Augen von mehreren Bergsteigergruppen eröffneten am 30. September chinesische Grenzwachen das Feuer auf eine Gruppe von insgesamt 73 tibetischen Flüchtlingen. Dabei wurde eine 17-jährige Nonne tödlich getroffen und ein 20-jähriger Mann schwer verwundet. Er und 30 weitere Tibeter, darunter 14 Minderjährige, wurden von Soldaten verhaftet und mitten durch das Bergsteigercamp abgeführt. Sie wurden wahrscheinlich in die tibetische Kreisstadt Dingri gebracht und dort inhaftiert. Die übrige Gruppe von 41 tibetischen Flüchtlingen, denen die Flucht gelang, traf zusammen mit zwei Guides im Transitzentrum für tibetische Flüchtlinge (TRTC) in Nepals Haupstadt Kathmandu ein.

Alle 41 Personen, die den Schüssen entkommen konnten, sind Kinder, Mönche, Nonnen und einige Erwachsene zwischen 7 und 30 Jahren. Die meisten streben eine Ausbildung in den tibetischen Schulen oder Klöstern in Indien an, da sie in Tibet dazu entweder keine Gelegenheit haben oder die religiöse Repression dort nicht mehr ertragen konnten. Nach den Schüssen lief die Gruppe noch 9 Tage durch den Solukhumbu-Distrikt, bis sie schliesslich nach Kathmandu gelangten.

Die meisten Tibeter fliehen im Winter, weil diese Jahreszeit am besten für sie ist, um sich an das indische Wetter zu gewöhnen und vermutlich auch, weil die Wetterbedingungen am Nangpa-La-Pass nahe dem Cho Oyu den Soldaten die Grenzkontrolle erschweren.

Zwei Augenzeugen berichteten:

"Wir waren 75 Personen [73 Flüchtlinge und 2 Guides; UM] und fuhren von Lhasa aus mit einem Lastwagen, auf dem wir zwei Tage lang unterwegs waren. Dann ging es ungefähr 20 Tage zu Fuss weiter. In der Nähe des Passes angelangt, brachen wir frühmorgens auf und baten die Bergsteiger im Basis-Lager des Cho Oyu um Nahrung. Wir waren noch beim Essen, als plötzlich die Soldaten auftauchten. Sie fingen an, auf uns zu schiessen und wir rannten weg. Wir hatten 15 Kinder zwischen 8 und 10 Jahren dabei, von denen nur eines entkam. Alle anderen wurden festgenommen. Ungefähr eine Viertelstunde lang schossen die Soldaten. Sie waren zu fünft, drei verfolgten uns und die anderen beiden hielten die Personen fest, die sie erwischen konnten. Ich sah, wie westliche Bergsteiger den Vorfall fotografierten, ich hoffe, dass sie Bilder davon haben."

"Ich sah die Nonne, die erschossen wurde - sie wurde durch eine einzige Kugel in den Rücken getötet. Ein Junge wurde zweimal am Bein getroffen. Ich versuchte, wegzurennen, aber ich war nicht schnell genug. Deshalb versteckte ich mich mit einigen anderen von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags im Schnee."

China versucht, Augenzeugen der tödlichen Schüsse einzuschüchtern

Während die Flüchtlinge in Kathmandu ankamen, versuchten chinesische Diplomaten in Nepals Hauptstadt, die Namen aller Bergsteiger ausfindig zu machen, die Augenzeugen der Schiesserei wurden. Sie versuchten, diese mit dem Entzug der teuren Sonderbewilligung für die Besteigung des Cho Oyo zu bedrohen, falls sie im Ausland über den Vorfall berichten. Der Cho Oyu ist die höchste Erhebung im chinesischen Einflussbereich und direkt an der Grenze zu Nepal gelegen. Viele Bergsteigergruppen beginnen den Aufstieg von Nepal, passieren aber zum endgültigen Aufstieg die Grenze zu Tibet.

Ein Mitglied einer englischen Bergsteigergruppe wurde sogar zur “Befragung” in die chinesische Botschaft einbestellt. Er beschrieb schon im Camp am Cho Oyu eine "Atmosphäre der Einschüchterung", als dieses nach dem Vorfall von Sicherheitspersonal besetzt wurde. Viele Bergsteiger hätten sich auch entschlossen, nichts von dem Vorfall weiterzugeben, um dafür ungestört die Besteigung des Cho Oyu fortsetzen zu können.

Quellen: The Independent; BBC News (teilweise in adaptierter dt. Uebersetzung durch IGFM München)

 
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