Was kommt danach?  Berufschancen unserer Sponsorkinder nach Abschluss der Grundausbildung
 

Bei einem unserer letzten Aufenthalte im TCV Upper Dharamsala hatten wir Gelegenheit, ein paar allgemeine Informationen über die Betreuung der Patenkinder nach Abschluss ihrer Schulausbildung bzw. über mögliche Berufschancen einzuholen. Dieses Thema liegt uns schon seit längerer Zeit am Herzen, weil die Kinder nicht nur während ihres Aufenthaltes im TCV sondern insbesondere auch später unsere Hilfe benötigen. Die folgenden Kurzinformationen werden besonders für Paten von älteren Kindern (ab 15 und darüber) von Interesse sein.

Die Vorbereitung auf Ausbildung und Berufsleben erfolgt idealerweise bereits während der Zeit im TCV. Seitens der Heimleitung wird versucht, nach Möglichkeit auf die unterschiedlichen Begabungen  der Kinder einzugehen und diese zu fördern. Dies ist bei 2500 und mehr Kindern natürlich keine leichtes Unterfangen. Hier können Sie bereits einen entscheidenden Beitrag leisten, da Sie die Talente ihres Sprösslings oft besser erkennen können. Einige Jahre vor Schulabschluss, also ca. ab der achten oder neunten Klasse, werden dann schulintern Gespräche mit Ausbildungsberatern (so genannten „career counselors“) angeboten, in denen die Jugendlichen über die verschiedenen Laufbahnen informiert und entsprechend beraten werden. Wenn die Kinder dies nicht von sich aus tun, sollten Sie sie unter Umständen daran erinnern.

Die hierfür zuständige Lehrkraft, Fr. Choezon Tsering, erläutert uns die verschiedenen Optionen, welche in Indien zur Wahl stehen. Nach Abschluss der zehnten Klasse (das Abschlussexamen ist üblicherweise im März), können die Kinder eine weitere Ausbildung in einem von insgesamt drei Fachrichtungen anstreben. Es handelt sich dabei um einen naturwissenschaftlichen Zweig (im TCV Upper Dharamsala), einen humanistischen Zweig (im TCV Gopalpur) und einen ökonomischen bzw. handelswissenschaft-lichen Zweig (im TCV Bylakuppe/Südindien). Diese Fachrichtungen (für undergraduates) bereiten unter anderem in den letzten beiden Schuljahren (11. und 12. Klasse) auf eine weitere Universitätsausbildung in Indien vor. Um in diesen Fachrichtungen weiterlernen zu dürfen, brauchen die Kinder einen bestimmten Notendurchschnitt.

Den größten Andrang und damit auch den härtesten Wettbewerb gibt es um Studienplätze in der Humanmedizin. Eine gute Übersicht über indische Universitäten der Medizin findet sich übrigens auf http://www.geocities.com/umesh_dawson/Html_Files/Universities12_IND.htm Es herrscht eine Art „numerus clausus“ System. Etwas bessere Chancen und akzeptablere Studienbedingungen gibt es für die Studienrichtungen Geschichte, Psychologie und Biologie. Die Aufnahmeprüfungen für Universitäten sind im Allgemeinen hart, ebenso die Studienzeit. Unabdingbare Voraussetzung nicht nur für die Aufnahme auf indische Universitäten, sondern auch für ein erfolgreiches Studium, sind gute Englischkenntnisse, die mitunter im Rahmen einer Intensivausbildung vor Studienbeginn oder während des ersten Semesters verbessert werden können. Fr. Choezon Tsering weist uns darauf hin, dass die Kinder auch sozial entsprechend betreut werden müssen, da sie an ein selbständiges Leben außerhalb des TCV nicht gewöhnt sind, und aus ihrem Sozialverband herausgerissen werden, insbesondere in großen Städten wie Delhi. Idealerweise bilden sich Wohngemeinschaften unter den Studenten, die einen gewissen Halt und gegenseitige Unterstützung bieten.

Für staatliche Förderprogramme wie z.B. Stipendien kommen tibetische Studenten kaum in Frage. Das TCV vergibt allerdings unter gewissen Bedingungen Stipendien für die besten Schüler, um ihnen eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen. Die Kosten für eine gute Universität belaufen sich auf bis zu 1500 Euro pro Semester (individuelle Studiengebühren finden sich auf den Webseiten der jeweiligen Universitäten, die sich mitunter auch auf dieser Ebene einen harten Wettbewerb liefern). Aufnahmeprüfungen finden in Delhi jedes Jahr statt, in Südindien alle drei Jahre, für gewöhnlich während der Monate Mai und Juni.

Neben Fachschulen und Universitätsausbildung gibt es natürlich auch eine Reihe von handwerklichen bzw. gewerblichen Fachrichtungen, wie z.B. die Ausbildung zum Koch bzw. Hotelier, Schneider, Elektriker, Installateur oder Computerfachmann. Dabei ist es jedoch wichtig, sich vorher über die jeweiligen Berufschancen genau zu erkundigen. Diese Diplomfachschulen bzw. Berufsschulen dauern im Schnitt 2 Jahre und kosten ca. 3500 Rupees pro Monat (ungefähr 66 Euro). Ausbildungseinrichtungen für Krankenpfleger oder Lehrer bzw. andere sozialpädogische Berufe finden sich übrigens in ganz Indien. Eine besonders angesehene Schule mit internationalem Ruf für Krankenpflegeberufe befindet sich in Madras, Südindien.

Es gibt auch das eigenständige Universitätsinstitut für höhere Tibetische Wissenschaften, welches 1967 im Einvernehmen mit S.H. dem Dalai Lama gegründet wurde, um die tibetische Jugend im Ausland zu unterrichten. Das Institut ist direkt dem indischen Kulturministerium unterstellt und wird zu 100% vom Indischen Staat finanziert. Es gibt 5 Fakultäten, von Interesse ist vor allem die Fakultät der Chikitsa Vidya (tibetische Medizin). Dabei wird die traditionelle Methode des offenen Debattierens und Diskutierens angewendet. Fr. Choezon Tsering weist jedoch darauf hin, dass es sich dabei um eine äußerst anspruchsvolle und zeitintensive Ausbildung handelt (Studiendauer: 9 Jahre). Das Institut befindet sich in Uttar Pradesh, Sarnath/Varanasi (weitere Informationen auf http://www.indiaeducation.ernet.in/insitutions/ ).

Neben einer Ausbildung in Indien besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die Kinder mit Ihrer Unterstützung auf eine ausländische (z.B. europäische oder amerikanische) Universität gehen. Nach Abschluss der zwölften Klasse kann die Verwaltung des TCV auf Antrag ein Reisedokument besorgen bzw. einen Personalausweis, mit dem sich die Kinder zu Stu-dienzwecken im Ausland aufhalten können. Genauere Informationen kann Ihnen die Heimleitung erteilen (Fr. Jampa Yangki, email: tcvdhasa@sancharnet.in oder das Head Office, email: tcvho@vsnl.com). Da die Organisation eines solchen Dokumentes mitunter sehr zeitaufwändig ist, macht es Sinn, die Heimleitung möglichst früh davon zu unterrichten.

 

Fazit: Die härteste Bewährungsprobe –für Kinder und Pateneltern- kommt nach der Schulzeit. Falls Ihr Patenkind also bereits eine höheren Schulstufe besucht (achte Klasse und darüber) und Sie genauere
Informationen über zukünftige Be-rufsausbildungsmöglichkeiten einholen oder sich über eine bestimmte Laufbahn erkundigen möchten, wenden Sie sich bitte direkt an Fr. Choezon Tsering (email: chonzi007@hotmail.com ) bzw. an die Heimleitung. Frau Choezon und ihre Kollegen sind bemüht, die Kinder auf das Leben nach dem TCV vorzubereiten und ihnen bei den ersten Schritten in das Be-rufsleben oder bei der Wahl einer weiteren Ausbildung zur Seite zu stehen. Wir halten dies für entscheidend, da die Kinder nur dann eine Chance auf eine bessere Zukunft haben, wenn sie eines Tages in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen und für sich selbst zu sorgen.


                             

 
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