China weist den US Bericht über religiöse Freiheit mit aller Schärfe zurück
 

Unter Berufung auf AP berichtete www.phayul.com am 7. Mai, dass China den jüngsten chinakritischen Bericht des US Aus-senministeriums zur Religionsfreiheit scharf zurückgewiesen habe, denn er schade den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. In dem am 3. Mai veröffentlichten Bericht schreibt die Kommission zur Religionsfreiheit in aller Welt, dass die chinesische Regierung „weiterhin systematische und ungeheuerliche Verletzungen der Freiheit der Religion und des Glaubens begehe“.

US Commission on International Religious Freedom

Annual Report 2006

Hier folgt die Übersetzung des Tibet betreffenden Teils (Seite 109-110) aus dem jährlichen Bericht des US State Departments zur religiösen Freiheit in aller Welt.

Der gesamte Bericht steht als pdf-Datei unter folgendem Link:

http://www.uscirf.gov/countries/publications/currentreport/2006annualRpt.pdf#page=1.

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„Die chinesische Regierung übt in der Autonomen Region Tibet (TAR) weiterhin strenge Kontrollen über das religiöse Geschehen und die Andachtsstätten aus. Die religiösen Aktivitäten von Mönchen und Nonnen werden in hohem Maße überwacht, die Klöster werden durch die von den Behörden anerkannten Management-Komitees verwaltet und die Kommunistische Partei behält sich das letzte Wort bei der Auswahl und der Ausbildung von reinkarnierten Lamas vor. Die chinesische Regierung bestätigte, dass über 100 tibetische Mönche und Nonnen in diversen Gefängnissen inhaftiert sind. Laut Aussage von Menschenrechtsgruppen, die sich mit Tibet beschäftigen, sind diese Gefangenen der Folter und anderen Formen der Misshandlung ausgesetzt. Es gab in den letzten Jahren einige Fälle von vorzeitiger Entlassung oder Strafmilderung für tibetische Buddhisten, die weite Beachtung in den Medien fanden. Im Februar 2004 entließen die Behörden Phuntsog Nyidron, eine Nonne, die seit 1989 im Drapchi Gefängnis inhaftiert gewesen war. Phuntsog Nyidron stand jedoch weiterhin unter ständiger Überwachung und war in ihrem Umgang mit ihren Mitmenschen äußerst eingeschränkt, ehe sie im März 2006 Tibet verlassen und in die USA ausreisen durfte. Dessen ungeachtet haben weder diese vereinzelten Fälle von Freilassungen, noch die Wiederaufnahme der Kontakte zwischen China und den Vertretern des Dalai Lama nennenswerte Veränderungen bei der von der Regierung insgesamt verfolgten Politik einer strengen Religionskontrolle in Tibet mit sich gebracht.

Die chinesische Regierung lehnt weiterhin die wiederholten und aus aller Welt an sie gerichteten Bitten ab, Zugang zu dem inzwischen 17jährigen Jugendlichen zu bekommen, den der Dalai Lama als den 11. Panchen Lama bestätigt hat. Regierungsvertreter erklärten, dass er „zu seiner eigenen Sicherheit in Gewahrsam gehalten wird“, und behaupteten, ein anderer junger Mann ihrer Wahl sei der „wahre“ Panchen Lama. Am 7. April 2002 wurde Tenzin Delek Rinpoche festgenommen und im Zusammenhang mit einem Sprengstoffattentat angeklagt und später zum Tode verurteilt. US Beamten erhielten von der chinesischen Regierung die Zusicherung, dass die Beweise, auf Grund derer Tenzin Delek für schuldig erfunden wurde, vom Obersten Volksgericht einer Revi-sion unterzogen würden. Aber nach zwei Jahren ist der Fall immer noch nicht überprüft worden, obwohl Tenzin Deleks Todesurteil im Januar 2005 in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt wurde. Außerdem steht auch Pawo Rinpoche, ein reinkarnierter Lama, der vom Karmapa 1994 anerkannt wurde, immer noch unter strenger Überwachung und darf sein Kloster nicht verlassen.

Berichte lassen darauf schließen, dass die offiziellen Kampagnen zur Förderung der „patriotischen Erziehung“ in Tibet, im vergangenen Jahr besonders in Lhasa intensiviert wurden. Im Juli 2005 wurden 18 Mönche aus dem Kloster Sera in Lhasa ausgewiesen, weil sie sich geweigert hatten, die Kurse zur „patriotischen Erziehung“ zu besuchen. Außerdem wurden im Oktober 40 Nonnen aus ähnlichen Gründen aus dem Kloster Gyarak ausgewiesen. Im November wurden fünf Mönche aus dem Kloster Drepung in Lhasa festgenommen und inhaftiert, nachdem sie und andere Mönche sich geweigert hatten, sich von ihrer Loyalität zum Dalai Lama loszusagen. Der „Kommission für religiöse Freiheit in aller Welt“ wurde während ihres Besuches in Lhasa von tibetischen Vertretern des Amtes für religiöse Angelegenheiten und der Öffentlichen Sicherheit mitgeteilt, es sei den Bürgern in Tibet nicht verboten, Bilder des Dalai Lama zu besitzen, illegal sei es für sie nur, diese zu verteilen und für andere sichtbar anzubringen, da solches Tun als „Aufhetzung zu separatistischen Aktivitäten“ interpretiert werden könnte. Im Januar 2006 verhafteten jedoch, wie berichtet wird, die Behörden der Präfektur Shigatse Phuntsok Tsering, den Gesangsmeister des Klosters Magar Dhargyeling und beschuldigten ihn, ein Bild des Dalai Lamas in seinem Besitz zu haben. Im April 2005 berichtete das Tibet Information Network von Polizeirazzien in einer tibetischen Grenzortschaft, während derer die Polizeibeamten in die Häuser der tibetischen Bewohner eingedrungen sein und Bilder und Bücher mit Reden des Dalai Lama konfisziert haben sollen.“

Übersetzung: Adelheid Dönges, München, Revision: Angelika Mensching, Hamburg



                             

 
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