Unsere Weihnachtsspendenaktion für das tibetische Flüchtlingslager

  
„SCHÜSSE KAMEN WIE REGEN!“ 
 
 
Der junge, 23-jährige Mönch, der diese Worte spricht, sitzt mir gegenüber im Reception Centre, 
dem Flüchtlingsauffangslager von Dharamsala. Er erzählt vom Tag seiner Flucht (30. September/1. Oktober) 
über den Nangpa-La-Pass nach Nepal. Obwohl schon seit langem Berichte über ähnliche Vorfälle auf beiden 
Seiten der tibetisch/nepalesischen Grenze vorliegen, ist es das erste Mal, dass mehrere Augenzeugen einer 
Bergsteigergruppe die internationale Öffentlichkeit auf diese Erschießungen aufmerksam machen konnten. 
Die veröffentlichten Videoaufnahmen zeigen, wie chinesische Grenzpolizisten auf eine Gruppe von 73 tibetischen 
Flüchtlingen schießen – darunter Frauen und Kinder, manche erst fünf, sechs Jahre alt.     
 
Der junge Mönch mit den großen, sprechenden Augen und dem freundlichen Lächeln strahlt eine für mich 
überraschende Ruhe aus. Trotz des erlebten Schreckens ist er glücklich, hier in Indien in der Nähe des Dalai 
Lama seine religiöse Ausbildung vertiefen zu können, was in Tibet auf Grund der über die Klöster verhängten 
Restriktionen nicht möglich ist. Viele der Erwachsenen aus der ursprünglich aufgebrochenen Gruppe waren 
Mönche und Nonnen, ungefähr ein Drittel der Flüchtlinge waren Kinder unter 14 Jahren, die die tibetischen 
Exilschulen besuchen wollten.
 
Leider konnten nur 3 Kinder entkommen, erzählt er traurig.
 
„Alles war so hektisch und chaotisch, ich dachte nur noch daran, am Leben zu bleiben und zu fliehen. Ich war 
nicht imstande, an etwas anderes zu denken oder den anderen zu helfen. Die Chinesen feuerten wohl 15 Minuten 
lang auf uns. Ich spürte, wie die Kugeln an meinen Ohren vorbeipfiffen. Wohl fünf Kugeln zischten an mir vorbei, 
aber glücklicherweise verfehlten sie mich. Ich war in solcher Panik, daß ich mit Händen und Füßen in dem etwa 
knietiefen Schnee vorwärts kroch."
 
Er zeigte mir mit der Hand, wie tief der Schnee war, der ein Laufen unmöglich machte. Aber mit einem Leuchten 
im Gesicht berichtete er, dass er in seiner Todesangst den Namen des Dalai Lama rief – und plötzlich konnte er 
rascher und leichter laufen!
 
„Ich bin sicher der einzige Tibeter, der alles gesehen hat. Ich warf meinen Rucksack weg und rannte in das Lager 
der westlichen Bergsteiger“, erzählte er, und dass er sich in einem Toilettenzelt des Lagers versteckt hatte. 
„Ich verbarg meine anderen Sachen hinter dem Zelt, setzte eine Mütze auf und stellte mich mitten unter die 
westlichen Bergsteiger. Ich sah, wie chinesische Soldaten auf die Tibeter feuerten. Alle rannten so schnell sie 
konnten durch den Schnee, kein einziger versuchte zurückzuschießen. Keiner hat mit den chinesischen Soldaten 
gekämpft. Ich habe doch alles gesehen.“
 
Eine Nonne wurde erschossen, ein Bub wurde angeschossen und ist später gestorben, einer ist vermisst. 32 wurden
verhaftet. 
 
Ich habe auch die anderen Flüchtlinge in den abgewohnten, überfüllten Sälen des Auffanglagers gesehen, in welchen 
sie am 24. Oktober morgens angekommen waren. Es konnten insgesamt 41 TibeterInnen entkommen, die beiden Guides
 waren in Kathmandu geblieben. Ein Foto konnte ich selbstverständlich nicht machen. Die chinesischen Behörden würden
 auf Grund dieses Fotos die zurückgebliebenen Familien dieser Flüchtlinge herausfinden und zur Verantwortung ziehen. 
Es drohen immerhin Gefängnis, Folter und Enteignung. 
Das Foto mit dem jungen Mönch, das während meines Interviews mit ihm im Büro des Lagerdirektors aufgenommen 
wurde, möge für alle jene stehen, die ihr Leben riskieren auf der Suche nach besseren Bildungsmöglichkeiten und 
religiöser Freiheit. 
 
Es ist schwierig, sich als Tibeter in Tibet von einem Ort zum anderen zu begeben; man hat kaum Bewegungsfreiheit. 
Und wenn man das Unglück hatte aus politischen Gründen gefangen gewesen zu sein, hat man es außerdem sehr 
schwer, Arbeit zu finden. Es wird genau unterschieden zwischen "gewöhnlichen" Menschen und politischen Gefangenen,
und die Behörden informieren die Leute darüber, wer ein politischer Gefangener war. Auch ehemalige Nonnen werden 
nach der Entlassung nicht mehr in ihrem Kloster aufgenommen und können auch sonst keine Arbeit bekommen. 
Alle diese Menschen wissen nicht, wovon sie eigentlich leben sollten. Wenn ein ehemaliger politischer Gefangener
beispielsweise eine Arbeit in einem Hotel annimmt, und der Besitzer findet heraus, daß er aus politischen Gründen 

inhaftiert war, bleibt diesem keine andere Wahl, als ihm zu kündigen, denn sonst könnte er selbst in große Bedrängnis 
kommen. Viele sehen daher keinen anderen Ausweg als die Flucht.
 
Wie mir berichtet wird verlassen noch immer jährlich etwa 3.000 Flüchtlinge ihre Heimat und riskieren die Flucht über 
die gefährliche Grenze nach Nepal, um später in begleiteten Konvois nach Dharamsala in das stets übervolle 
Flüchtlingslager gebracht zu werden. Dort müssen sie mit Kleidern, einfachster Nahrung und Medikamenten versorgt 
werden und bekommen ein minimales Taschengeld von einigen Rupien. Oft sind bei ihnen chirurgische Eingriffe 
notwendig um Erfrierungen zu versorgen oder es müssen ärztliche Behandlungen erfolgen, die den Flüchtlingen 
in Tibet mangels finanzieller Möglichkeiten vorenthalten werden. Alle diese Kosten sind für das Reception Centre 
enorm und können nur durch Spenden aufgebracht werden. 
 
 
BITTE VERWENDEN SIE FÜR IHRE WEIHNACHTSSPENDE DEN BEILIEGENDEN ERLAGSCHEIN 
ODER ÜBERWEISEN SIE IHRE SPENDE AUF UNSER SPENDENKONTO 
BACA 610.741.803, BLZ 12.000 MIT DEM VERMERK „FLÜCHTLINGSAUFFANGSLAGER“.
 
 
Auf unserem Heimweg bleiben wir noch bei einem kleinen tibetischen Laden stehen um noch etwas zu besorgen. 
Plötzlich kommt der junge Mönch vorbei, der uns gerade das Interview über die Flucht gegeben hat. Von den wenigen
Rupien, die er besitzt kauft er einen Sticker mit dem Bild der tibetischen Flagge und überreicht ihn uns. Eine rührende 
Geste, die ihm zuhause Gefängnis und Folter eingebracht hätte. Nun kann er endlich eine Flagge Tibets in Händen halten. 
 
Elisabeth Zimmermann
 
 

 



                             

 
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