Pressekonferenz mit dem Dalai Lama am 14. Mai in St. Veit
 

Wussten Sie, dass der Dalai Lama ein Fan italienischen Essens ist und zukünftig öfters in Kärnten anzutreffen sein wird? Dies und einiges mehr erfuhr man bei der Pressekonferenz, welche nach der Grundsteinlegung für das Tibetzentrum im St. Veiter Fuchspalast stattfand.

Zu Beginn der Pressekonferenz hielt der Dalai Lama fest, dass er sehr glücklich sei in Kärnten zu sein aber auch traurig, weil sein Freund Heinrich Harrer nicht mehr lebe. Seine Heiligkeit fühle aber, dass Harrers Geist und seine Freundschaft, die er für das tibetische Volk empfunden habe, noch immer lebendig sei! Dass dieser Freundschaft nun konkrete Pläne zum Erhalt der tibetischen Kultur in Kärnten folgen, mache ihn umso glücklicher.

Der Dalai Lama referierte vor den Journalisten auch kurz über seine Grundsätze betreffend Glück und Erfolg:

„Glück und Erfolg des Individuums, der Familie und der Gemeinschaft sind abhängig von der universellen menschlichen Wertschätzung und Frieden. Ich habe einige sehr reiche Freunde, aber diese sind oft sehr unglückliche Menschen. Geld und andere materielle Werte schaffen keinen inneren Frieden. Der wahre Friede muss durch inneren Frieden entstehen.“

Tenzin Gyatso wartet auch noch mit einem besonderen Geschenk auf. Er stiftete 50.000 britische Pfund (ca. 73.443 Euro) aus dem Erlös seiner Bücher für den Bau des Tibetzenrums.

Nachfolgend ein Auszug der Fragen, die Seiner Heiligkeit bei der Pressekonferenz gestellt wurden und seine Antworten darauf:

 

Die österreichische Bundesregierung übt gerade die EU-Präsidentschaft aus. Erwarten Sie sich konkrete Initiativen von Österreich und der EU-Spitze für das tibetische Volk?

DALAI LAMA: Wenn ich in Österreich bin, ist die Regierung mir gegenüber immer sehr freundlich gesinnt. Ich fühle mich stets willkommen und geschätzt!

In naher Zukunft werde ich in Brüssel sein. Dort wird es ein Treffen mit den EU-Führern und anderen offiziellen Vertretern geben, darunter auch jene aus Österreich. Dann wird man sehen, welche konkreten Pläne oder Vorschläge es gibt. Im Moment ist nichts zu sehen.

Eure Heiligkeit, ich arbeite für Save Tibet und habe eine Petition für Kanzler Schüssel und die Bundesregierung vorbereitet. Was soll die österreichische EU-Präsidentschaft tun, damit die tibetische Exilregierung und China einen besseren Kontakt haben, um etwaige Gespräche führen zu können?

DALAI LAMA: Ich schätze Ihren Vorschlag und Ihre Anliegen sehr! Ob es eine Möglichkeit gibt oder nicht, weiß ich nicht. Die chinesische Regierung besteht gründsätzlich darauf, direkt mit uns in Kontakt zu treten. Man wird sehen.

Planen Sie Italien zu besuchen, um den Papst zu treffen?

DALAI LAMA: Ja, im Oktober. Ich möchte ihm meinen Respekt erweisen. Außerdem habe ich Freunde in Italien, die ich gern treffen möchte und ich genieße und liebe vor allem das italienische Essen (lacht).

Ist es wahr, dass Sie in Zukunft mehr Zeit in Kärnten verbringen werden?

DALAI LAMA: Ja, Herr Haider hat mir offensichtlich schon eine neue Bleibe in Hüttenberg angeboten (lacht wieder). Ich hoffe, dass das Tibetzentrum ein Ort des Austausches und der Diskussion auch für andere Nationen und deren Traditionen wird. Dann werde ich sicherlich öfter nach Kärnten kommen.

Was ist Ihre generelle Meinung über die Aktivitäten der EU für Ihr Volk?

DALAI LAMA: Die EU zeigt großes Interesse, Sympathie und Solidarität gegenüber den Anliegen Tibets und ist auch gut informiert. Besonders die ehemaligen osteuropäischen Länder unterstützen uns sehr.

Sehen Sie die Politik der USA für Tibet auf dem Niveau der EU?

DALAI LAMA: Es ist annähernd gleich. Die USA haben aber immerhin bereits Koordinatoren bestellt, die sich speziell der Frage Tibets annehmen, das EU-Parlament noch nicht!

Sie haben den Friedensnobelpreis für Ihre Politik der Gewaltlosigkeit bekommen. Was sagen Sie zur Politik des amerikanischen Präsidenten George Bush?

DALAI LAMA: Als die Terroranschläge des 11. September 2001 verübt wurden, habe ich Präsident Bush am nächsten Tag einen Brief geschrieben und ihm mein Beileid ausgedrückt. Ich habe ihm darin auch geraten, auf die Gewalt nicht mit Gewalt zu antworten. Ich bin überzeugt, dass auch für Präsident Bush auf Dauer gesehen ein Weg ohne Gewalt der richtige ist.

Sie sind auch religiöses Oberhaupt, werden von Ihrer Glaubensgemeinschaft sogar als Gottkönig angesehen. Wie stehen Sie zum katholischen Glauben und wie schätzen Sie den interreligiösen Dialog ein?

DALAI LAMA: Sehr gut. Ich habe zu zahlreichen katholischen Bischöfen und Mönchen gute Kontakte. Und ich bin überzeugt, dass wir für die Humanität die verschiedenen Traditionen brauchen – so wie auch Buddhas Nachfolger zu seinen Lehren verschiedene Positionen einnehmen. Ich glaube daher, dass sowohl theistische als auch nicht theistische Religionen nebeneinander wichtig sind. Für die Menschen in der einen Tradition ist die Existenz Gottes wichtig, um humanistische Werte zu festigen, andere Menschen brauchen keinen Gott dafür. Ich rate aber dazu, dass jedes Volk dabei der Tradition und Religion seiner Umgebung folgt. Es ist besser, der eigenen Religion zu folgen, als sie zu wechseln. Wenn man die Religion ändert, führt das eher zu Verwirrung.                 

 S. Samitsch



                             

 
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