Amnesty rügt US-Firmen „Internet-Konzerne unterstüzen Zensur in China“
 

von Edeltraud Rattenhuber

Süddeutsche Zeitung, 21.7.06:

Amnesty International hat den US-Konzernen Google, Microsoft und Yahoo vorgeworfen, China bei der Zensur des Internets tatkräftig zu unterstüzen und dadurch die Menschenrechte zu verletzen. Als Teil seiner im Mai gestarteten Kampagne „irresistible.info“ rief Amnesty am Donnerstag daher die Internet-Nutzer in der westlichen Welt auf, sich ihrer Marktmacht bewusst zu werden und bei den Konzernen direkt per E-Mail gegen ihre „Komplizenschaft mit Unterdrückern“ zu protestieren - auch um die Spaltung des World Wide Web in „zwei Internets“ zu verhindern. Außerdem sollen die Firmen offen legen, welche Suchwörter sie auf Geheiß Pekings aus dem Angebot herausfiltern.

Das Internet, das die Menschen im Westen ganz selbstveständlich als freies, unbeschränktes Medium nutzen, stellt sich laut Amnesty für Menschen in Ländern wie China, Iran, Vietnam und Tunesien als gefährliches Minenfeld dar - wer zu weit geht, der wird schwer bestraft. Chatrooms stehen unter permanenter Beobachtung, Blogs weden von unsichtbarer Hand gelöscht, und Menschen werden verhaftet, nur weil sie gemäß dem Leitgedanken des Internets Informationen frei austauschen.

China hat eines der ausgeklügeltsten Systeme der Internet-Kontrolle. Und es ist Peking gelungen, die Konzerne einzubinden, wie diese teils selbst zugeben: Yahoo half durch Weitergabe von vertraulichen Informationen mit, die Journalisten Shi Tao und Li Zhi zu inhaftieren. Microsoft schloss laut Amnesty das Internet-Tagebuch eines New-York-Times-Mitarbeiters. Und Google übte Selbstzensur. „Sie behaupten, sie müssten den Gesetzen Folge leisten“, schreibt Amnesty. „Dabei unterwerfen sie sich nur dem Druck“, um Zugang zum lukrativen Internetmarkt zu bekommen. Yahoo und Google sagen, durch ihre Präsenz hülfen sie, China zu entwickeln.



                             

 
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