Tibetische Schulkinder wegen Graffiti festgenommen - Verbleib unbekannt

Wie Human Rights Watch, New York, berichtet haben chinesische Behörden sieben tibetische Schüler unter dem Verdacht festgenommen, öffentliche Gebäude mit Unabhängigkeitsparolen beschmiert zu haben. Einer der Festgenommenen, ein 14jähriger Junge, soll durch die Schläge der Polizei übel zugerichtet worden und voller blutender Wunden gewesen sein, als seine Verwandten ihn zuletzt sahen.

Bei den sieben Kindern, die alle aus Nomadenfamilien kommen, handelt es sich um Schüler der höheren Schule des Dorfes Amchok Bora in dem Distrikt Xiahe (Labrang), Tibetisch-Autonome Präfektur Kanlho (chin. Gannan), Provinz Gansu. Vier von ihnen sind 15 Jahre alt und drei 14 Jahre.

Wie berichtet, wurden um den 7. September etwa 40 Schüler festgenommen, weil sie angeblich Slogans mit der Forderung nach der Rückkehr des Dalai Lama und der Freiheit für Tibet auf die Mauern der Polizeistation und andere Mauern in dem Dorf gemalt hätten. Nach zwei Tagen wurden alle bis auf sieben wieder freigelassen. Die Polizei soll auch die Lehrer der Schule wegen der Graffiti zur Rede gestellt haben.

Um Brad Adams, den Asien-Direktor von HRW, zu zitieren: „Die Festnahme von Teenagern wegen eines angeblichen politischen Delikts beweist, wie wenig sich in Tibet geändert hat. Daß man Kinder wegen so einer Sache schlägt, zeigt, was für einen weiten Weg China noch vor sich hat, um die von seinen Politikern so hoch gepriesene ‚harmonische Gesellschaft’ zu verwirklichen“.

Die Schüler wurden anfänglich in der Polizeistation von Amchok Bora festgehalten, wo sie noch Kontakt zu ihren Angehörigen hatten. Am 10. September brachten sie Offizielle in Zivil, bei denen es sich vermutlich um Sicherheitsbeamte handelte, in die östlich des Dorfes gelegene Distriktstadt Xiahe (Labrang). Die Verwandten des verletzten Schülers baten um Erlaubnis, ihn in ein Krankenhaus bringen zu dürfen, was ihnen jedoch verwehrt wurde. Die Offiziellen in Xiahe weigern sich, Auskunft über den Aufenthaltsort der Kinder zu geben oder auch nur zu bestätigen, daß sie in Gewahrsam gehalten werden.

Die Namen fünf der vermißten Jungen werden genannt als Lhamo Tseten, 15, Chope Kyab, 15, Drolma Kyab, 14, Tsekhu, 14, sowie ein zweiter Lhamo Tseten, 15. Die Namen der beiden anderen sind unbekannt, ebensowenig welcher von ihnen der verletzte Junge ist.

Diese Festnahme von Schülern ist das jüngste Beispiel für die immer brutaler werdende Reaktion der chinesischen Behörden auf das geringste Anzeichen einer abweichenden Meinung unter der Bevölkerung, was ihre Kultur- und Religionspolitik, die Zwangsumsieldung tibetischer Nomaden, die Umweltdegradation, die Ersetzung tibetischer Kader durch chinesische und die vermehrte Zuwanderung ethnischer Chinesen in traditionell tibetische Siedlungsgebiete betrifft. In den vergangenen Monaten kam es zu mehreren Zusammenstößen zwischen tibetischen Einwohnern und Polizeikräften.

Nach der UN-Konvention für die Rechte des Kindes, die China unterzeichnet hat, steht Kindern das Recht auf freie Meinungsäußerung zu. Kein Kind darf der Folter oder anderer grausamer, unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung unterzogen oder gesetzwidrig und willkürlich festgehalten werden. Kindern sollte die Freiheit nur als letztes Mittel entzogen wurden, und dann nur für die kurzmöglichste Zeitspanne. Inhaftierte Kinder haben ein Recht auf Kontakt zu ihren Angehörigen und ungehinderten Zugang zu einem Rechtsbeistand.

HRW ersuchte UNICEF, wegen dieses Falles unbedingt bei der Chinesischen Regierung vorstellig zu werden und eine Garantie für den Schutz dieser Kinder zu erwirken.

„Um diese abscheuliche und beschämende Episode zu beenden, sollte die chinesische Regierung die Kinder sofort freilassen, sie und ihre Eltern vor weiterer Mißhandlung schützen und Rechenschaft ablegen, warum so hart mit ihnen umgegangen wurde“, sagte Adams.

Quelle: World Tibet News, 23. September 2007

Adaptierte Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

 

 

 

 
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