Patenbericht: Patenreise in den Osterferien 2007

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Seit mittlerweile fast 4½ Jahren haben wir ein Patenkind im TCV Dharamsala. Von Beginn der Patenschaft an herrschte reger Briefverkehr, doch das Bedürfnis, das Mädchen einmal persönlich kennen zu lernen wurde von Jahr zu Jahr größer. Jedes Jahr im Herbst war die Sehnsucht besonders groß, dann nämlich, wenn Frau Zimmermann mit Paten nach Indien aufbrach. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich unmöglich mitzureisen, da ich Lehrerin bin und nicht gleich nach Schulbeginn drei Wochen Sonderurlaub haben kann. Wir schickten zwar jedes Jahr ein Paket mit den Paten mit, doch wir merkten aus jedem Brief von Nangsel - so heißt unser Patenkind -, dass auch sie sich immer ein wenig leid tat, wenn "ihre" Pateneltern nicht mitkamen.

Als nun in der Februarausgabe der SAVE TIBET INFO die Ausschreibung für die Patenreise in den Osterferien erschien, packten mein Mann und ich die Gelegenheit beim Schopf und meldeten uns gleich an. Alles war von Jakob und Felizitas Urban/Fischer bestens organisiert. In Delhi wurden wir am Flughafen erwartet und zur Weiterreise weiter vermittelt. Die Anreise von Delhi nach Dharamsala war zwar etwas anstrengend, doch die Vorfreude auf unser Patenkind ließ uns alles leichter ertragen.

Schon kurz nach unserer Ankunft in Dharamsala brachte uns Frau Jampa Yangkyi, die Sponsorship Sekretärin des TCV Dharamsala, unser Patenkind zum Hotel. Unvergessen wird uns das erste Zusammentreffen mit Nangsel bleiben - es war, als würden wir uns schon lange kennen. Von Anfang an war da nichts Trennendes, Fremdes, sondern volles Vertrauen.

Nangsel sagte uns später, dass sie sofort beim Aussteigen aus dem Autobus wusste, wer ihre Pateneltern sind. Frau Jampa Yangkyi erzählte uns, dass Nangsel vor kurzem alle Prüfungen der 10. Klasse abgeschlossen und somit bis Mitte Juni Ferien habe. Wenn will wollen, könne Nangsel bei uns bleiben, solange wir in Dharamsala sind. Damit hatten wir nicht gerechnet, umso größer war die Freude. Anfangs machten wir uns Gedanken, wie sich ein fast 17jähriges Mädchen bei uns im Zimmer fühlen würde, doch bereits am ersten Abend hatten wir den Eindruck, dass sich Nangsel sehr wohl fühlte.

Für uns war es, als ob wir ein eigenes Kind im Zimmer hätten. Wir hatten Nangsel überall mit, wir besichtigten die TCVs in Dharamsala, Gopalpur und Suja, sahen tibetische Tempel und Klöster, ein Altersheim, tibetische Handwerkseinrichtungen und viel Natur.

Unsere Gruppe bestand aus 13 Paten, wir verstanden uns alle ausgezeichnet und hatten viel Spaß mitsammen. Nangsel erwies sich bisweilen als nützliche Dolmetscherin; wenn die anderen Patenkinder noch kaum Englisch sprachen, übersetzte sie ins Tibetische.

Am Karfreitag kamen auch die Patenkinder aus Gopalpur und Suja zu uns ins Hotel, und schliefen teilweise bei den Paten im Zimmer. Am Karsamstag macht Jakob mit allen Paten und Patenkindern eine mehrstündige Wanderung bis zum Schnee des Dhauladar-Gebirges. Alle Patenkinder genossen diesen Tag und verstanden sich untereinander ausgezeichnet, obwohl sie aus drei verschiedenen TCVs zusammengewürfelt waren. Zum Abschluss der Wanderung gab es bei Jakob zuhause eine wohlverdiente Stärkung. Felizitas hatte einen wunderbaren Kuchen gebacken. Am Ostersonntag veranstaltete Jakob wieder bei sich zuhause ein Ostereiersuchen für die Kinder. Obwohl dieser Brauch den tibetischen Kindern nichts sagte, waren sie mit großer Begeisterung bei der Sache. Wie man diese bescheidenen und anspruchslosen Kinder überhaupt sehr leicht begeistern kann. Die meisten Paten gingen mit ihren Kindern in McLeod Ganj einkaufen. Ich werde nie das Strahlen in Nangsels Augen vergessen, als sie sich mit fast 17 Jahren ihre erste Jeans aussuchen durfte. Am Ostersonntag abends wurden die Patenkinder mit Taxis nach Gopalpur und Suja zurückgebracht. Es gab berührende Szenen und Tränen auf beiden Seiten - sowohl bei den Kindern als auch bei den Paten.

Auf jeden Fall waren sich alle Paten bei der Rückreise einig: wir hatten beglückende Augenblicke und Erlebnisse zusammen mit unseren Patenkindern, und die Erwartungen aller Paten in diese Reise wurden bei weitem übertroffen. Wir konnten uns mit eigenen Augen davon überzeugen, dass unsere Patengelder in den Institutionen des TCV bestens verwendet werden, und wir damit einen kleinenn Beitrag für das Glück und die Zukunft einiger Kinder leisten können.
Cäcilia und Josef AGLASSINGER

 
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