Save Tibet INFO September 2007 - Editorial

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Liebe Tibet-Freundinnen,
liebe Tibet-Freunde,

Der vergangene Sommer war nicht so ruhig, wie ich es mir gewünscht hätte. Fiel doch der Beginn des Countdowns zu den Olympischen Spielen in Peking hinein. Ein Jahr noch bis zum 8. 8. 2008. Weltweit wurden verschiedene Aktionen durchgeführt, nicht nur Peking hat seinen Countdown begonnen. Die Tibeter und die Tibet-Unterstützungsgruppen haben beschlossen, die Spiele nicht zu boykottieren sondern als Mittel zum Hervorheben ihrer gerechten Anliegen zu benutzen. Weltweit nehmen die Bedenken hinsichtlich dieser Olympiade zu. Die naive offizielle Wunschvorstellung des IOC, dass sich durch die Zuteilung der Olympischen Spiele an Peking die Menschenrechtssituation in China verbessern würde, hat sich natürlich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, die Säuberungsaktionen und Repressalien, die in China zur Zeit ablaufen, zeugen von der enormen Nervosität der chinesischen Führung was einen reibungslosen und glänzenden Ablauf der Spiele betrifft, in welchem sie sich als moderner und weltoffener Staat präsentieren wollen.

Ich erinnere mich an meinen Besuch Osttibets noch vor dem Zuschlag der Olympischen Spiele an Peking durch das IOC. So sicher war sich damals bereits die chinesische Führung, das zu erhalten, was sie wollten, dass bereits überall Plakate der Olympiade 2008 zu sehen waren, und auf Jacken, Mützen und Sweatshirts "Peking 2008" aufgestickt zu finden war. Sie wussten eben, der "Westen" würde alles tun um nur ja nicht ein Geschäft zu verlieren. Sie hatten völlig recht. Man muss sich nur vorstellen: China ist weltweit der größte Anbieter von Doping-Substanzen. Wie passt das zu einem Veranstalter von Olympischen Spielen?

Gravierender als erwartet sind die Auswirkungen der neuen Tibet-Qinghai-Eisenbahn. In dieses Projekt hat die chinesische Regierung mehr Geld gesteckt, als sie je in das Gesundheits- und Bildungswesen Tibets gesteckt hatte. Nicht nur der enorme Andrang an (hauptsächlich chinesischen) Touristen (siehe "Kurznachrichten" Seite 9), sondern nunmehr auch ein Andrang chinesischer Migranten ausgelöst durch die verheerenden Überschwemmungen im chinesischen Tiefland, die Sie sicherlich auch in den Nachrichten verfolgt haben. Millionen Menschen im chinesischen Kernland verloren nicht nur ihr Obdach, sondern auch jede Chance auf eine bessere Zukunft. Nun strömen chinesische Migranten in einer noch nie dagewesenen Zahl nach Tibet. Preise für Grundnahrungsmittel werden für Tibeter unerschwinglich, tibetische Bettler werden aus Lhasa ausgewiesen, der Lebensunterhalt der Tibe-ter in Lhasa und Umgebung ist äußerst bedroht. Auch diese Ignorierung der tibetischen Situation ist eine schwere Verletzung der Menschenrechte.

Die Welt muss sich bewusst werden: wann sonst, wenn nicht jetzt vor den Olympischen Spielen, ist die Gelegenheit, die chinesische Führung unter Druck zu setzen, die Menschenrechtssituation im ganzen Land zu verbessern, die bestehenden Gesetze für eine echte Autonomie in Tibet einzuhalten? Jeder kann seinen Teil dazu beitragen! Auch damit, dass Sie die Idee von "Team Tibet" unterstützen (siehe Seite 12f) und sich unter www.supportteamtibet.org eintragen!

Ich möchte mein Editorial gerne beschließen indem ich Sie herzlich zu dem jährlichen Patentreffen einlade. Sie müssen nicht Pate oder Patin sein um zu kommen. Wichtig ist ein Zusammentreffen, ein Austausch an Gedanken, Fragen und Ideen. Ich werde Ihnen auch unseren neuen Kalender für das Jahr 2008 mit Bildern aus den tibetischen Kinderdörfern vorstellen. Ich bin ganz stolz darauf! (Siehe S. 45). Auch eine nette Geschenkidee um auf Tibet und die Flüchtlingskinder aufmerksam zu machen. Wenn alles so toll wäre in Tibet, wie es die chinesische Führung immer behauptet, wieso gibt es dann jährlich so viele Flüchtlinge, so viele tibetische Kinder, die den gefahrvollen Weg über die hohen Himalayapässe wählen müssen, um eine adäquate Ausbildung erhalten zu können, meint
Ihre
Elisabeth Zimmermann

 
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