Save Tibet INFO Dezember 2004 - Editorial

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Liebe Tibet-Freunde,

Selbst wenn ich bei Erscheinen dieses Heftes unserer SAVE TIBET INFO schon wieder in Wien sein werde, so schreibe ich dieses Editorial doch noch in Dharamsala/Nordindien, voll mit wunderbaren Eindrücken unserer ersten grossen Patenreise in die TCV-Kinderdoerfer in Dharamsala und Umgebung (TCV = Tibetan Childrens’ Villages).

Wie uns Mr. Tsewang Yeshi la (der Executive Director und rechte Hand der Leiterin aller tibetischen Kinderdörfer und Schulen, Mrs. Jetsun Pema, jüngere Schwester SH des Dalai Lama) versicherte, waren wir die erste derart grosse Sponsorengruppe, die je zu Besuch kam (34 Personen). Und noch dazu aus Österreich, das hier durch den Gründer der SOS Kinderdörfer, Herrn Hermann Gemeiner, bestens bekannt ist. Übrigens wurde auch die große Versammlungshalle hier im Kinderdorf nach ihm benannt.

Für mich selbst war wohl der aufregendste Moment jener des ersten Zusammentreffens der Paten mit ihren Patenkindern. Gewissermaßen fühle ich mich mitverantwortlich, das "richtige" Kind für den jeweiligen Paten auszusuchen, wenn er oder sie es nicht persönlich im Wiener Buero tun können.

Aber es war einfach unglaublich - Tibeter wie Oesterreicher haben es bestätigt - wie gut alle zusammenpassten, wie innerhalb kürzester Zeit eine Beziehung und Vertrautheit entstand.

Die Kinder konnten gemeinsam mit den Paten das Anniversary besuchen (das jährliche Gruendungsfest der TCV Kinderdörfer, diesmal bereits das 44. Jahr!), dessen Ehrengast SH der Dalai Lama war. Dadurch und durch verschiedene Ausflüge lernten die Paten nicht nur die Schule, die Religion und den Lebensraum ihrer Schützlinge kennen, sondern auch Beispiele tibetischer Kultur durch Aufführungen von Trachtentaenzen und einer tibetischen Oper.

Es kamen unglaubliche viele Emotionen hoch; es war schön zu beobachten, wie die Gruppe im Kontakt mit den Tibetern bemerkte, dass es doch noch etwas Anderes auf der Welt gibt als unser hektisches, konsumorientiertes Leben.

Eine Anregung, die Sinnhaftigkeit unserer Existenz zu hinterfragen. Dass dies in der Gruppe wirklich passiert ist, wurde mir durch eine Bemerkung eines Paten klar, die mich tief beruehrt hat: mein Leben hat sich mit dieser Reise verändert. Diese Erfahrung ist vielleicht ein Geschenk der Tibeter an uns.

Die bittere Pille kam gleich danach: durch einen drei Tage dauernden Sitz- und Hungerstreik (am ersten Tag Mönche, am zweiten Tag Nonnen, am dritten Tag Laien) auf dem Hauptplatz in Dharamsala (Mc.Leod Ganj) für die Freilassung von Tulku Tenzin Delek Rinpoche wurden wir an die bevorstehende (zwei Jahre lang ausgesetzte) Hinrichtung dieses hochrangigen Mönches erinnert.

Abhängig von den Justizbehörden könnte die Verschiebung des Hinrichtungstermines bereits am 2. Dezember 2004 enden, oder aber am 26. Jänner 2005. Manche von Ihnen werden sich erinnern können, daß sein enger Schüler und Mitangeklagter, Dhondup, am 26. Jänner 2003 sofort nach der Urteilsverkündigung hingerichtet wurde.

Beide wurden bezichtigt in einem Bombenanschlag in Chengdu/China im April 2002 verwickelt gewesen zu sein und wurden in einem nicht öffentlichen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt. Weltweit wurden bereits zahlreiche Proteste durchgeführt und Petitionen nach China gesandt, ebenso von SAVE TIBET und vielen österreichischen Freunden, doch die Zeit drängt...und es kam noch keine Nachricht über eine Entscheidung der chinesischen Behörden.

Als nächstes, und wenn ich nach meiner Rückkehr den Ansturm an Arbeit überstanden haben werde, freue ich mich auf den Weihnachtsmarkt und hoffe, viele von Ihnen wiederzusehen oder neu kennenzulernen.

Ihre Elisabeth Zimmermann

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