Wiedergeburten-Kontrolle in China

Die Partei bestimmt künftig über die Verehrung lebender Buddhas

Peking hat mit den "Bestimmungen zur Verwaltung von Reinkarnationen lebender Buddhas im tibetischen Buddhismus" den tibetischen Mönchen das Recht entzogen, selbständig nach Wiedergeburten zu suchen. Wer ein lebender Buddha ist, entscheidet künftig die Partei.

bba. Peking, 3. August

28 Jahre nach der Einführung der Geburtenkontrolle gibt es in China nun auch die Wiedergeburten-Kontrolle. Tibetische Mönche dürfen künftig nur noch mit der Genehmigung der Regierung nach Reinkarnationen lebender Buddhas suchen, heisst es in den am Freitag veröffentlichten «Bestimmungen zur Verwaltung von Reinkarnationen lebender Buddhas im tibetischen Buddhismus». Damit ist erstmals Gesetz, was seit Chinas Annektierung Tibets im Jahr 1950 Usus war. Die Religionsfreiheit geht nur so weit, wie die Kommunistische Partei es zulässt.

Hindernislauf durch die Instanzen

Doch da das erklärte Ziel der Partei eine atheistische Gesellschaft ist, dürften die 14 Paragrafen vor allem dazu dienen, die Zahl der lebenden Buddhas zu beschränken und in unbotmässigen Klöstern die oft jahrhundertealten Reinkarnations-Linien zu unterbrechen. Denn neben den höchsten Glaubensführern, allen voran dem Dalai Lama, werden in Tibet Hunderte von Mönchen als lebende Buddhas verehrt. Wie viele es gibt, hängt davon ab, wie sehr der Glaube floriert. Derzeit streben beispielsweise Gläubige in der chinesischen Provinz Sichuan an, eine erste Wiedergeburt ihres 2004 verstorbenen Abtes Jigme Phuntsok zu suchen.

Nach den neuen Reinkarnations-Regeln müssen dazu jedoch zunächst vier Instanzen zustimmen; neben dem Kloster, das staatlich anerkannt sein muss, die Lokalregierung, die Behörde für Religionsangelegenheiten und der Pekinger Staatsrat, Chinas Kabinett. Ignorieren die Gläubigen diese Behördengänge zur «Verwaltung von Wiedergeburten», wie es im offiziellen Sprachgebrauch heisst, müssen sie mit Strafen rechnen, und ihre Reinkarnation ist illegal und ungültig. Offen ist, ob auch bereits als lebende Buddhas verehrte Mönche sich nachträglich registrieren lassen müssen, oder ob sie künftig automatisch als Sektenführer gelten – und damit in die gleiche Kategorie fallen wie die Anhänger der mit rabiaten Mitteln verfolgten Falun-Gong-Bewegung.

Streit um den Pantschen Lama

Von allen in der Volksrepublik Chinas lebenden Wiedergeburten hat bisher nur der 1992 ernannte Karmapa gleichermassen den Segen Pekings und des Dalai Lama sowie anderer tibetischer Glaubensführer. 1995 entzweiten sich die Partei und die für viele Tibeter in Glaubensfragen noch immer massgebliche Exilregierung in Dharamsala in Indien wegen der Suche nach einer Reinkarnation des Pantschen Lama, der Nummer zwei in der tibetischen Religionshierarchie. Der mit Zustimmung des Dalai Lama vorgestellte Knabe wurde verhaftet und ist seitdem verschwunden. Die Partei ersetzte ihn durch einen eigenen Kandidaten, der unter persönlicher Aufsicht von Luo Gan, dem Chef der chinesischen Staatssicherheit, ausgewählt wurde. Die sogenannte "goldene Urne", ohne die keine Suche möglich ist, wird in Peking verwahrt.

Doch nicht nur viele Tibeter dürften sich durch die neuen Regeln in ihrer Religionsausübung eingeschränkt fühlen. Auch viele lebende Buddhas werden sich umstellen müssen. Denn nicht alle von ihnen sind so fromm, wie es scheint. In Chinas Grossstädten sind angebliche Reinkarnationen inzwischen gut im Geschäft – als hochbezahlte Unternehmensberater.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung


   

 

 
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