GPS Bericht für AV Zeitschrift

Viel wurde schon über die technischen Details und Funktionsweise von GPS (Global Positioning System) geschrieben. Dieser Bericht soll einige praktische Erfahrungen mit modernen Geräten schildern.

Seit einiger Zeit steht mir ein Garmin etrex Summit zur Verfügung. Zusammen mit meinem PC und meinem TRGpro (Palm Klon) bildet es für mich eine nützliche und sehr weitreichend einsetzbare Kombination. In diesem Bericht soll neben dem Gerät ansich auch noch die Verwendung in Kombination mit dem PC und dem Palm erklärt werden, denn dieses Dreiergespann erweitert die Benutzbarkeit erheblich.

1. Das Gerät

Das etrex Summit bietet neben den GPS-Funktionen auch einen Höhenmesser und einen elektronischen Kompass. Damit ist dieses Gerät besonders für den Gebrauch im alpinistischen Umfeld geeignet, wo besonders die trotz der Messgenauigkeitsverbesserung durch Aufhebung der Störung durch die Amerikaner immer noch unbefriedigende Höhenmessung unterstützt wird.

Die Speichermöglichkeit von 20 Routen mit jeweils bis zu 50 WP, 500 Wegpunkten und bis zu 10 Tracks erlauben sorgenfreies Benutzen des Gerätes, solange man nicht länger als eine Woche oder nicht stationär unterwegs ist.

Leider sind die begrenzte Anzahl der Trackspeichermöglichkeiten und auch die 20 Routen schnell verbraucht. Bedenkt man noch, dass bei einer Route schnell 20 Punkte hinzukommen, so ist der Wegpunktspeicher auch bald voll. Dabei hilft der Palm ungeahnt, dazu aber später.

Dafür ist das etrex (Summit) ein ergonomisch sehr durchdachtes Gerät, das sich mit einer Hand ohne Probleme bedienen lässt und das eine leicht verständliche Benutzerführung hat.

2. Benutzung

Wer schon einmal versucht hat, aus einer Karte, sei es ÖK oder AV, GPS-Koordinaten herauszulesen, der ist dabei sicher verzweifelt. Keine der Karten hilft, da die Gitternetze keine sinnvolle Verbindung zu den Grad/Minuten haben. Dies wird sich in Zukunft sicher ändern.

Doch zur Erstellung von Wegpunkten und Routen durch mühsames Eintippen am GPS Gerät selbst gibt es mehrere Alternativen: Am Markt sind diverse Programme für PCs und Windows Betriebssysteme die einerseits mit den GPS Geräten kommunizieren können und andererseits digitalisierte Karten, wie sie es schon von fast allen Ländern gibt, verarbeiten können. Dadurch reduziert sich das Erstellen eines Wegpunktes auf das Klicken an die entsprechende Stelle auf der am Bildschirm dargestellten Karte. Auf die selbe Art und Weise können Routen erstellt und schließlich der gesamte Datensatz an das GPS übertragen werden.

Leider verwenden nicht alle digitalen Karten das selbe Format und daher ist die Unterstützung von Programm zu Programm unterschiedlich.

Als besonders nützlich hat sich hierbei Terratech TTQV herausgestellt, weil es, soweit es dem Autor bekannt ist, das einzige Programm ist, das mit der AustriaMap des BEV klaglos zusammenarbeitet. Es bietet daher die ideale Kombinationsmöglichkeit.

Anhand dieses Artikels möchte ich durch die Beschreibung einer Tour von der Planung über die Durchführung zur Nachbetrachtung einige Möglichkeiten, die die Verwendung des GPS in Kombination mit TTQV bietet, aufzeigen.

3. Die Planung

Eigentlich wollte ich als Beispiel meine Islandreise im Sommer beschreiben, da der Artikel aber schon Anfang Juni fertig sein musste, wurde es nur eine Tour über das Hochplateau der Rax. Dort kann man sich, im Gegensatz zu Island, natürlich sehr viel schwieriger verlaufen, die Ideen und Vorgangsweisen sollten aber hinlänglich klar werden.

Geplant war die Auffahrt mit der Raxseilbahn und von der Bergstation zum Predigtstuhl am anderen Ende und Abfahrt über den Langen Mann mit Figln zum Preiner Gscheid.

In TTQV öffnet man zuerst die Karte ÖK 50 und findet die Rax. Dann erstellt man durch Klicken und Auswahl `als Wegpunkt speichern' einige wichtige Eckpunkte wie die Bergstation, den Praterstern, diverse Hütten etc. Dies ist hier

zu sehen. Danach geht es an die Route. Routentabelle auswählen, AutoNew Funktion anwählen, ersten Punkt klicken, Route einen Namen geben, und los geht es. Einfach an sinnvollen Stellen wie Wegkreuzungen bzw alle paar hundert Meter, je nach Gelände, einen neuen Punkt der Route hinzufügen. Ist man am Predigtstuhl angekommen, sieht das ganze wie hier dargestellt ist
Abbildung 2
aus. Das selbe wiederholt man mit einer zweiten Route den Langen Mann hinunter und weiter zum Preiner Gscheid. Ist das GPS nun an den PC angeschlossen wird mittels Auswahl der Wegpunkte und Routen und Aufruf der Funktion `Senden an GPS' alles übertragen. Das war der erste Teil, die Vorbereitung.

(Natürlich müssen dafür sowohl das Programm TTQV, als auch die Schnittstellen, als auch das GPS richtig konfiguriert sein, aber das ist relativ einfach und ausführlich im Manual von TTQV beschrieben.)

4. Die Tour

Jetzt geht es hinaus. Leider war das Wetter viel zu schön als dass ich das GPS wirklich gebraucht hätte, trotzdem wollen wir versuchen, der Route, die wir an das GPS gesandt haben, zu folgen. Am GPS wählt man also die Route aus, selektiert `Route folgen' und schon weist der Pfeil auf der Anzeige, soweit man das Gerät waagrecht hält, in die Richtung zum nächsten Wegpunkt. Erreicht man diesen, meldet das das Gerät und schaltet automatisch zum nächsten Wegpunkt weiter. Hat man einmal aufgrund eines Abstechers, Umwegs oder sonstigen Grundes einen Wegpunkt verpasst, lässt sich natürlich leicht auf den nächsten weiterschalten.

Wenn man das Gerät die ganze Zeit laufen lässt, um zB den Weg als Track aufzuzeichnen, dann hilft es nicht, wenn man sich das GPS umhängt, da dabei leider fast immer der Kontakt mit den Satelliten verloren geht. Ich bin dazu übergegangen, das eingeschaltene GPS in der Deckeltasche meines Rucksacks zu drapieren, da das Material des Rucksacks die EM-Wellen nicht so stark dämpft, dass der Kontakt zusammenbricht, und erhalte so ausgezeichnete Aufzeichnungen von Touren.

Während der Wanderung werden natürlich so unnütze Dinge wie die aktuelle Geschwindigkeit, die Distanz zum Zielpunkt, die Höhe, die Aufstiegs- und Absteigsgeschwindigkeit und noch vieles mehr angezeigt, wenn man möchte. Trotzdem ist das für den Infofetischisten eine Fundgrube wunderbarer Informationen.

Schließlich erreichen wir nach vielen Pausen und Spielereien mit dem GPS den Predigtstuhl. Nach der ausgiebigen Gipfelrast wählen wir die zweite Route aus, die uns über den Langen Mann und den Querweg zum Preiner Gscheid bringen soll. Mit herrlicher Figl Abfahrt geht es die Rinne hinunter und dem GPS folgend weiter zum Preiner Gscheid. Im Wald verliert das Gerät leider meistens den Kontakt, wodurch die Lücken in der Aufzeichnung gegeben sind.

Vom Preiner Gscheid mit Bus/Bahn zurück in Wien lade ich jetzt den Tracklog, der randvoll ist, in das Programm TTQV, um mir meine tatsächliche Route anzusehen. Der aktive Tracklog reicht für einen knappen Tag ständigen Betriebs, ist man aber etwas länger unterwegs, wird der Anfang überschrieben oder man speichert nach einiger Zeit. Dies hat aber den Nachteil, dass Zeit und Geschwindigkeitsinformationen verloren gehen.

Ist der Tracklog einmal auf den PC umgezogen, zeigt TTQV den Tracklog an und man kann vergleichen, wo man gegangen ist und wo man wollte. Unsere Wanderung schlug sich in folgendem Tracklog nieder:

Bei Wanderungen entlang von Wegen wird es da eher selten große Unterschiede geben, aber gerade bei Skitouren, Gletscherwanderungen und Wanderungen in Gebieten ohne umfangreiches Wegenetz kann das von Interesse sein.

Mit TTQV kann man sich dann noch einmal die Wanderung in Zeitraffer ansehen etc.

6. GPS und Palm, oder wie überlebe ich ohne Schlepptop

Was macht man nun, wenn man 3 Wochen durch eine wilde Gegend wandern möchte, die Wegpunkte, Routen und Tracks speichern, das aber nicht alles am GPS selber Platz hat und man nicht bereit ist, einen Laptop mit sich so lange Zeit herumzutragen. Hier kommt dem glücklichen Inhaber eines Palms oder Palmklons (TRG, Visor etc) ein frei verfügbares Programm namens GPilotS zu Hilfe. Diese Programm kann eine beliebige Anzahl an Wegpunkten, Routen und Tracks speichern, editieren, an das und vom GPS senden/empfangen und daher die Speicherung und Bearbeitung stark erleichtern. Einen Palm mitzutragen ist einfach eher möglich als einen ganzen Laptop. Der Anzahl der speicherbaren Daten ist nur durch den Ausbau des Palms ein Limit gesetzt, und mir als Besitzer eines TRGpro mit CFcard Slot, der mal so nebenbei eine CF Karte mit 64Mb verwendet, nicht einmal das. Und bis man 64Mb an Daten gesammelt hat, muss man schon ein Zeiterl unterwegs sein.

GPilotS kann sich auch selbst als etrex ausgeben und kann daher von TTQV mit allen möglichen Routen und Wegpunkten gespeist werden, ohne dass man sie händisch eingeben muss. Also erstelle ich zuerst alle möglichen und unmöglichen Wegpunkte und Routen, schicke sie dann an den Palm und schließlich immer die gerade aktuellen vom Palm an das GPS. Am Abend speichert man jeweils den Tracklog und zusätzliche neue Punkte vom GPS auf den Palm und kann von neuem beginnen.

7. Energieversorgung

Jetzt noch ein paar Informationen zur Energieversorgung des GPS: Die Geräte laufen alle mit 2 AA-Batterien. Mit Alkalinen kommt man, schätze ich, 2 Tage aus, ich verwende aber, um Geld zu sparen und natürlich um meine Freundin die Umweltreferentin nicht zu erzürnen, aufladbare NiMH-Batterien. Diese haben den Vorteil, dass sie keinen Memory Effect haben wie NiCd (Memory Effect: Durch wiederholtes, nicht vollständiges Entladen und wieder Aufladen verringert sich die Kapazität der Batterie und damit die Lebensdauer). Mit einem Satz NiMH Batterien läuft das Gerät leicht einen ganzen Tag im Dauerbetrieb, danach ist aber bald Wechsel angesagt. Die perfekte Lösung für längere Touren habe ich noch nicht gefunden, aber vielleicht verbessern sich die Batterien (Brennstoffzellen, ...) so dass man bald nicht mehr darüber nachdenken muss.

8. Zusammenfassung

Das GPS ist eine nützliche Unterstützung für den Bergsteiger, auch wenn es meiner Ansicht nach nicht die Kenntnis der Karte ersetzen, sondern nur ergänzen kann. TTQV hilft ungemein in der Erstellung, Verwaltung und Sicherung der Daten, kann aber auch noch in vielfältiger anderer Weise eingesetzt werde, wie zB als MovingMap SoftWare, die laufend die aktuelle Position anzeigt, ein feature das zur Navigation auf Straßen nützlich ist. Schließlich bietet GPilotS die Möglichkeit, die Speicherbegrenzungen des GPS Gerätes zu überwinden und leichter als direkt am GPS Routen und Wegpunkte zu editieren.

9. Nachsatz und Dank

Hier sammle ich noch einige weitere Informationen:

  • Die Verbindung zwischen PC und GPS erfolgt über eine serielle Schnittstelle, das Kabel dazu ist normalerweise direkt beim GPS Händler zu erhalten.
  • Die Verbindung zwischen Palm und GPS erfordert ein eigenes Kabel, das an die serielle Schnittstelle des Palms angehängt wird. Diese Kabeln zu beziehen ist nicht ganz einfach, einige Webadressen, wo man Stecker oder fertige Kabel bestellen kann, sind im Anhang.
  • Für andere Betriebssysteme gibt es auch diverse Programme zum Archivieren von GPS Daten, für linux bietet sich GPSManager an. Leider kann keines der Programme mit den digitalisierten Karten zusammenarbeiten. Hier kann man sich durch Verwendung von VMWare (www.vmware.com) behelfen, mithilfe dessen man den Funktionsumfang von TTQV unter linux erschließen kann.
  • Für alternative PDA OS wie WindowsCE kenne ich, in Ermangelung (ein nicht sehr störender Mangel) eines WindowsCE PDA, kein Programm.
  • Das Supportforum auf der TTQV Homepage ist eine unergründliche Quelle von nützlichen Informationen rund um GPS, nicht nur auf TTQV beschränkt. Anfragen bezüglich digitaler Karten, Verwendung von GPS uvm hilft bei der Suche.

    Ich möchte mich bei Garmin und beim Ausbildungsteam des AV in Innsbruck für die verbilligte zur Verfügungstellung des GPS Gerätes, bei Touratech für dir Gratis Lizenz für TTQV und bei C. Claveleira für GPilotS und dessen freie Verfügbarkeit bedanken. Bei Touratech möchte ich mich besonders bei Joachim Bungert bedanken, der meine nervenden Fragen und die lange Diskussionen über die Lizenzen duldsam ertragen hat, immer extrem hilfsbereit und freundlich war, eine Seltenheit für Menschen die (auch) Support leisten! Ich bin mit keiner der oben genannten Firmen in finanziellem Kontakt, die von mir geäußerten Beurteilungen wurde nicht bezahlt und beruhen nur auf von mir persönlich gemachten Erfahrungen.

    10. Webadressen

  • Garmin HP: http://www.garmin.com
  • TTQV deutsche HP: http://www.ttqv.com/indexd.html
  • TTQV Support Forum: http://www.qv-nav.de/cgi-bin/forum/index.cgi
  • GPilotS: http://www.cru.fr/perso/cc/GPilotS/
  • GPSman: http://www.ncc.up.pt/~mig/gpsman.html
  • Kabel GPS palm http://pfranc.com/projects/g45contr/g45_idx.htm
  • Navigation and the Palm OS: http://celia.mehaffey.com/dale/pilotgps.htm
  • Navigation and GPS Articles: http://celia.mehaffey.com/dale/